Die Handchirurgie befasst sich mit der Behandlung des Handgelenkes und der Hand und setzt sich aus den Teilgebieten Unfallchirurgie (Traumatologie), Neurochirurgie, Orthopädie und plastische Chirurgie zusammen.
Im Fokus steht die Diagnosestellung und Behandlung von Verletzungen an Fingerknochen, Bändern, Sehnen, Handwurzel bzw. Handgelenk, Unterarmknochen sowie an Blutgefäßen und Nerven und die Versorgung chronischer Erkrankungen wie Arthrose, Knochenveränderungen, Einengung von Nerven sowie Veränderungen am Bindegewebe von Hand und Arm.
Darüber hinaus gehören jegliche Funktionswiederherstellungen der Hand, des Handgelenkes und die Behandlung und Versorgung von Rheumatikern und Patienten mit Prothesen zum Fachgebiet der Handchirurgie.
Eine umfangreiche und eingehende Fachkenntnis der funktionellen und anatomischen Zusammenhänge sind die Voraussetzungen für eine exakte Diagnose und die richtige Erstellung eines Behandlungsplanes. Für eine erfolgreiche Therapie sind auch der richtige Einsatz der anschließenden Rehabilitationsmaßnahmen (Physiotherapie, physikalische Therapie und Ergotherapie) entscheidend.
Die Weiterbildung auf dem Gebiet der Handchirurgie ist eine sogenannte Zusatzweiterbildung. Die Voraussetzung dieser Zusatzweiterbildung ist eine Anerkennung als Facharzt für Chirurgie oder Orthopädie und eine 36-monatige Weiterbildung bei einem Weiterbildungsbefugten, die mit dem Zusatz „Handchirurgie“ abgeschlossen wird.
Frakturversorgung
An der Hand treten gehäuft Frakturen (Brüche) auf. Die häufigste Lokalisation ist hierbei das Handgelenk. Hier kommt es allen voran zu körperfernen Speichenbrüchen. Aufgrund der Neigung dieser Brüche zur sekundären Verschiebung und der Behandlung ohne Gips und weitere Ruhigstellung empfiehlt sich hier die operative Versorgung. Verwendung finden hier winkelstabile Instrumentarien. Eine seltenere Fraktur stellt der Ellenbruch dar. Dieser kann im Gelenkbereich oder im Bereich des Ellenschaftes auftreten. In der Regel kommen hier wie auch bei Speichenbrüchen Platten zur operativen Versorgung in Frage, falls eine konservative (nicht operative Therapie) nicht möglich ist. Minimal-invasiv werden Brüche der Handwurzel, der Mittelhand und der Finger behandelt. Ziel ist hierbei eine weitestgehende Vermeidung einer länger dauernden Ruhigstellung.
Stufenweises Therapieschema
- Radiusfrakturen, Ulnafrakturen
- Scaphoidfrakturen .
- Mittelhandfrakturen
- Fingerfrakturen


Nervenkompressionssyndrome
Karpaltunnelsyndrom
Hierbei handelt es sich um einen medizinischen Fachbegriff, der ein Kompressionssyndrom des Mittelhandnervs im Bereich der Handwurzel beschreibt. Anatomisch gesehen ist der Karpaltunnel eine Rinne, in der die Sehnen der einzelnen Finger und der Nervus medianus, der für die Steuerung der Finger zuständig ist, verlaufen. Typisch für das Karpaltunnel-Syndrom sind nächtliche oder früh
morgendliche Schmerzen und Sensibilitätsstörungen der ersten 3-4
Finger. Durch Schütteln lässt sich häufig eine Verbesserung erreichen.
Besonders stark sind die Schmerzen die Sensibilitätsstörungen bei
gebeugtem Handgelenk wie dies z.B. beim Auto- und Fahrradfahren sowie
längerem Telefonieren der Fall ist. Bei kurzer Beschwerdedauer kann ein
Therapieversuch mittels Ruhigstellung im Handgelenk folgen. Zusätzlich
können lokale Kortisoninjektionen vorgenommen werden. Bei ausgeprägten
Befunden wie auch bei längerer Beschwerdedauer (einige Monate) sollte
eine operative Therapie durchgeführt werden. Hierbei wird über einen
kleinen Schnitt der Tunnel in dem der Nerv verläuft eröffnet.
Sulcus ulnaris-Syndrom
Der Ulnaris-Nerv verläuft im Ellenbogen und wird im Volksmund häufig auch „Musikantenknochen“ genannt, weil er sehr druckempfindlich ist. Ist der Nerv beschädigt, spürt man anfänglich ein Taubheitsgefühl im Ring- und dem kleinen Finger. Die Folgen reichen von einer Unterversorgung der Muskel hin bis zum Muskelschwund.
Wartenberg-Syndrom
Hierbei handelt es sich um eine Druckschädigung eines Nerven (Ramus superficialis Nervus radialis) im handgelenksnahen Unterarmbereich über der Speiche. Hier kann der Nerv durch einen Muskel (Musculus brachio radialis) komprimiert werden. Typisch ist eine Schmerzsymptomatik im handgelenksnahen Unterarmbereich mit Ausstrahlung in den Daumen. Gefühlsstörungen treten typischerweise zwischen Daumen und 2. MHK auf.
Neben der Therapie mit einer kurzfristigen Ruhigstellung kommen auch hier eine entzündungshemmende medikamentöse Therapie sowie eine operative Therapie mit Lösung des Nervens in Frage.
Supintator-Syndrom
Bei diesem Krankheitsbild kommt es zu einer Kompression eines Nerven im oberen Unterarmdrittel (Ramus profundus Nervus radialis). Der Nerv wird hierbei durch den Musculus supinator komprimiert. Es besteht ein belastungsabhängiger Schmerz im oberen Unterarmdrittel. Häufig tritt dieser bei Unterarmdrehbewegungen auf. Auch nächtliche Schmerzen sind typisch. Häufig dieses Krankheitsbild mit dem sogenanntenTennisarm verwechselt. Zunächst sollte eine Therapie mit kurzfristiger Ruhigstellung sowie Entzündungshemmenden Medikamenten durchgeführt werden. Gegebenenfalls kann eine Cortisoninjektion vorgenommen werden. Bei Beschwerdepersistenz über Monate sollte eine operative Versorgung durchgeführt werden.
Pronator-Logen-Syndrom
Hierbei wird ein Nervenast im unteren Bereich der Oberarmbeugeseite komprimiert (Nervus medianus). Häufig bestehen Schmerzen am unteren Oberarmdrittel mit Ausstrahlung zur Ellenbeuge. Zeitweise können Störungen der Sensibilität sowie Teillähmungen der Muskulatur auftreten. Die Behandlung wird zunächst mittels Ruhigstellung einer Oberarmschiene durchgeführt. Begleitend hierzu können entzündungshemmende Medikamente eingenommen werden. Bei Ausbleiben einer Verbesserung sollte der Nerv operativ befreit werden und somit die Kompression beseitigt werden.
Tendovaginitis stenosans Diese Erkrankung bezeichnet man auch als
„Schnellen Finger“. Hierbei wird das natürliche Beugen und Strecken der
Finger, weil die entsprechenden Sehnen verdickt sind und nicht mehr
durch das Ringband gleiten können. Der erste Schritt bei einer
Behandlung ist die Ruhigstellung der Hand. Anschließend wird mit einer
Injektionsbehandlung versucht die Beschwerden zu mildern. Der letzte
Schritt ist ein kleiner ambulanter operativer Eingriff bei dem das
Ringband gespalten und durchtrennt wird.
Stufenweises Therapieschema
- Ruhigstellung
- Injektionsbehandlung
- Ringbandspaltung
Tendovaginitis stenosans de Quervain Schmerzsyndrom über der Speiche
handgelenksnah. Die Schmerzen treten insbesondere bei ellenseitiger
Bewegung der Hand (Schwamm auswringen, Dosen öffnen…) auf. Typisch für
diese Erkrankung ist eine schlauchförmige Verdickung des Gewebes über
dem 1. Strecksehnenfach an oben genannter Stelle. Im Frühstadium dieser
Erkrankung ist eine Ruhigstellung mittels Gipsschiene ratsam.
Gegebenenfalls kann eine Kortisoninjektion des Sehnengleitgewebes
vorgenommen werden. Bei Ausbleiben einer Verbesserung nach 4-6 Wochen
sollte eine Operation mit Spaltung des Strecksehnenfaches sowie eine
Wiederherstellung desselben durchgeführt werden.
Stufenweises Therapieschema
- Ruhigstellung
- Injektionsbehandlung
- Spaltung erstes Strecksehnenfach
Intersektionssyndrom - Ruhigstellung
- Injektionsbehandlung
- Spaltung zweites Strecksehnenfach
Tendovaginitis der Beugesehnen - Ruhigstellung
- Injektionsbehandlung
Skidaumen (ulnare Daumenseitenbandruptur)
Diese Verletzung tritt häufig bei Skifahrern
im Rahmen eines Sturzes auf. Die Verletzung kann jedoch auch bei vielen
anderen Verletzungsmechanismen entstehen. Durch ein Verdrehen
des Daumens nach handrückenwärts wird ein wichtiges Band zwischen dem
Daumengrundgelenk und dem 1. Mittelhandknochen zerrissen (ulnares
Daumenseitenband). Dadurch bedingt kann der Daumen in Kombination mit
den übrigen 4 Fingern nicht mehr in ausreichendem Maße stabilisiert
werden. Eine Therapie mittels Ruhigstellung ist nur bei leichteren
Bandüberdehnungen ratsam. Bei vollständigen Bandrissen sollte eine
operative Therapie durchgeführt werden. Im Rahmen dessen kann das Band
genäht werden oder wie häufiger der Fall am Knochen refixiert werden.
Nachfolgend ist auch hier eine Ruhigstellung notwendig.
Stufenweises Therapieschema
- Primäre und sekundäre Naht
- Refixierung- transossär, Fadenanker
Bandverletzungen der Langfinger
Häufig
kommt es im Rahmen von direkten Anprallverletzungen wie z.B. dem
Umknicken eines Fingers beim Fangen eines Balles zu Bandverletzungen.
Hauptsächlich betroffen ist hierbei die Bandverletzung an der
Beugeseite des Mittelgliedes der Langfinger. Seltener treten
Seitenbandverletzungen auf. Bandverletzungen äußern sich insbesondere
in einer deutlichen Schwellung des betroffenen Gelenkes. Therapeutisch
ist hier in aller Regel eine kurzfristige Ruhigstellung in einer
Schiene ausreichend. Anschließend ist eine regelmäßige Bewegungsübung
notwendig.
Bandverletzung der Handwurzel - Stufenweises Therapieschema
- Ruhigstellung
- Funktionelle Therapie mit krankengymnastische Behandlung
- Arthroskopie
- Bandnaht oder -refixation mit und ohne temporäre Arthrodese- offen oder geschlossen
Beuge- und Strecksehnenverletzungen
Durch verschiedene Gewalteinwirkungen kann es zu Sehnenverletzungen kommen. Am häufigsten treten diese bei Stich- und Schnittwunden auf. Typisch ist der Bewegungsverlust der Finger in einzelnen Gelenken. Ein relativ häufiger Riss ist der Strecksehnenabriss am Fingerendgelenk. Hierbei hängt die Fingerbeere herunter. Ein aktives Strecken ist nicht möglich. Die Therapie von Sehnenverletzungen ist in aller Regel eine operative Therapie nur bei Strecksehnenabrissen am Fingerendgelenk kann eine Therapie mittels Ruhigstellung erfolgen.
Strecksehnenverletzung (z.B. Hammerfinger, Knopflochdeformität, Schwanenhalsdeformität) - Stufenweises Therapieschema
- Ruhigstellung (Endglied mit Stack´scher Schiene, PIP-Schiene)
- Sehnennaht und -plastik; Raffnaht- mit und ohne temporärer Arthrodese
- Refixierung- transossär, Fadenanker
- Funktionelle Nachbehandlung
Beugesehnenverletzung - Stufenweises Therapieschema
- Primäre und sekundäre Naht
- Refixierung (transossär, Fadenanker)
- Funktionelle Nachbehandlung
Morbus Dupuytren
Knotige
Kontraktur und strangartige Verdickung des Bindegewebes in der
Hohlhand. Hierdurch kommt es zu einer progredienten Beugestellung der
Finger. Diese Erkrankung tritt familiär gehäuft auf und betrifft
vorwiegend Männer im 4.-5. Lebensjahrzehnt. Bei leichtgradigen
Verdickungen und noch auszugleichenden Beugestellungen der Langfinger
ist eine konservative Therapie mittels krankengymnastischer
Übungsbehandlung möglich bei Auftreten von Funktionsdefiziten sollte
eine operative Therapie durchgeführt werden. Die Art der Operation
richtet sich nach der Ausprägung des Befundes.
Korrekturosteotomie (z.B. bei posttraumatischer Fehlstellung) - Verkürzungsosteotomie
- Umstellungsosteotomie
Paronychie/ Panaritium
Es handelt sich hierbei um eine eitrige Entzündung der Finger, die durch Bakterien (Staphylokokken) verursacht wird, die meist aufgrund von Bagatellverletzungen (z. Bsp. Maniküre) unter den Nagelwall/ die Haut/ ein Gelenk oder den Knochen gelangen. Die Symptome gehen mit einer Rötung, Schwellung sowie Druckschmerz an Nagelwall und Fingerbeere einher. Häufig entleert sich im Verlauf auf Druck Eiter. Die Therapie erfolgt zunächst konservativ mittels entzündungshemmender Bäder, Kühlung, Ruhigstellung und eventuell Einleitung einer antibiotischen Therapie. Bei voranschreitender Entzündung unter den bereits erwähnten Maßnahmen ist eine operative Sanierung zur Ausräumung des Eiterherdes nicht mehr zu umgehen.
Weitere Operationsverfahren
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