Schmerzen an der Innenseite des Knies können plötzlich nach einer Verdrehung auftreten oder sich schleichend bei Belastung entwickeln. Die Schmerzstelle allein erlaubt noch keine sichere Diagnose. Innenmeniskus, Gelenkknorpel, Bänder und weitere Strukturen liegen eng beieinander und können ähnliche Beschwerden verursachen. Entscheidend sind deshalb der Beginn der Schmerzen, der Unfallmechanismus, Begleitsymptome und die ärztliche Untersuchung.
Was liegt an der Innenseite des Knies?
Das Knie verbindet Ober- und Unterschenkelknochen. Zwischen den Gelenkflächen liegen Innen- und Außenmeniskus. Diese Knorpelscheiben verteilen Druck und tragen zur Stabilität des Gelenks bei. Der Innenmeniskus befindet sich auf der Knieinnenseite, ist mit der Gelenkkapsel und dem Innenband verbunden und dadurch weniger beweglich als der Außenmeniskus.
Auch der innere Anteil des Gelenkknorpels kann Beschwerden verursachen. Bei einer Kniearthrose hängt die Schmerzstelle unter anderem davon ab, welcher Gelenkabschnitt betroffen ist. Ist der mediale Gelenkabschnitt verändert, kann der Schmerz vor allem an der Innenseite wahrgenommen werden.
Welche Ursachen kommen infrage?
Innenmeniskusverletzung
Ein akuter Meniskusriss kann entstehen, wenn das belastete und gebeugte Knie verdreht wird. Typisch sind Schmerzen bei Dreh- und Beugebewegungen. Das Knie kann anschwellen oder sich so anfühlen, als würde es klemmen. Nicht jeder Meniskusriss verursacht jedoch sofort Beschwerden, und nicht jede Veränderung im MRT erklärt automatisch den Schmerz.
Kniearthrose im inneren Gelenkabschnitt
Bei einer Kniearthrose wird die schützende Knorpelschicht dünner. Beschwerden beginnen häufig als Belastungsschmerzen und können im weiteren Verlauf auch in Ruhe auftreten. Je nach betroffenem Gelenkabschnitt kann eher die Innen- oder Außenseite schmerzen. Vorübergehende Schübe können außerdem mit Schwellung, Wärme und stärkerer Steifigkeit einhergehen.
Verletzung anderer innerer Knie-Strukturen
Nach einem Sturz, Zusammenstoß oder seitlichen Wegknicken können neben dem Meniskus auch Band-, Knorpel- oder Knochenstrukturen betroffen sein. Aus der Schmerzstelle lässt sich nicht zuverlässig ableiten, welche Struktur verletzt ist. Besonders nach einem Unfall sollte deshalb die Stabilität, Beweglichkeit und Belastbarkeit des Knies untersucht werden.
Wann sollte das Knie zeitnah ärztlich untersucht werden?
Eine zeitnahe Abklärung ist besonders sinnvoll, wenn
- die Schmerzen nach einem Unfall oder einer deutlichen Verdrehung begonnen haben,
- das Knie rasch oder stark anschwillt,
- es blockiert oder sich nicht vollständig strecken lässt,
- das Bein kaum belastet werden kann,
- das Knie instabil wirkt oder wiederholt wegknickt,
- Rötung, deutliche Überwärmung oder Fieber hinzukommen,
- starke Ruhe- oder Nachtschmerzen bestehen oder
- die Beschwerden wiederkehren oder trotz angepasster Belastung nicht abklingen.
Bei einer sichtbaren Fehlstellung, einer offenen Verletzung oder einem plötzlichen schweren Allgemeinzustand ist eine sofortige medizinische Beurteilung erforderlich.
Wie wird die Ursache festgestellt?
Am Anfang stehen Fragen zum Beginn und Verlauf der Beschwerden: Gab es eine Verdrehung oder einen Sturz? Tritt der Schmerz beim Beugen, Drehen, Treppensteigen oder auch in Ruhe auf? Ist das Knie geschwollen, instabil oder blockiert?
Anschließend werden Beweglichkeit, Druckschmerz, Stabilität und Gangbild untersucht. Bildgebung wird gezielt eingesetzt, wenn sie für die konkrete Fragestellung erforderlich ist. Ein Röntgenbild zeigt vor allem knöcherne Veränderungen. Eine Magnetresonanztomografie kann Menisken, Bänder und weitere Weichteile darstellen. Der Bildbefund wird immer zusammen mit den Beschwerden und dem Untersuchungsbefund bewertet.
Bedeutet ein Meniskusbefund automatisch eine Operation?
Nein. Die Behandlung hängt von Art und Größe einer Verletzung, den Beschwerden und der persönlichen Situation ab. Akute verletzungsbedingte Meniskusrisse können anders behandelt werden als verschleißbedingte Veränderungen. Degenerative Meniskusveränderungen kommen häufig zusammen mit Kniearthrose vor und verursachen nicht zwangsläufig Beschwerden.
Auch bei Kniearthrose steht nicht automatisch eine Operation am Anfang. Regelmäßige, passend dosierte Bewegung und Training können Schmerzen lindern und die Gelenkfunktion verbessern. Welche konservativen oder operativen Möglichkeiten geeignet sind, sollte nach gesicherter Diagnose individuell besprochen werden.
Was ist bis zum Untersuchungstermin sinnvoll?
Vermeiden Sie zunächst genau die Bewegung oder Belastung, die den starken Schmerz auslöst. Eine vollständige längerfristige Ruhigstellung ohne ärztliche Empfehlung ist jedoch nicht automatisch sinnvoll. Bei einer frischen Verletzung, deutlicher Schwellung oder eingeschränkter Belastbarkeit sollte frühzeitig geklärt werden, ob weitere Diagnostik nötig ist. Schmerzmittel sollten nur unter Beachtung persönlicher Erkrankungen, anderer Medikamente und der Hinweise von Ärztin, Arzt oder Apotheke eingenommen werden.
Fazit
Starke Schmerzen an der Knieinnenseite können unter anderem vom Innenmeniskus, vom inneren Gelenkabschnitt bei Arthrose oder von verletzten Band- und Knorpelstrukturen ausgehen. Die Lage des Schmerzes ist ein wichtiger Hinweis, ersetzt aber keine Diagnose. Unfallmechanismus, Schwellung, Blockade, Instabilität und Belastbarkeit helfen dabei, die Dringlichkeit und die nächsten Untersuchungsschritte festzulegen.
Weitere Informationen zur Untersuchung und Behandlung finden Sie auf der Medical-Point-Seite zum Knie.



